Familienzulagen: Wer, wo und wie?

Angestellte haben für ihre Kinder Anspruch auf Familienzulagen. Das ist uns allen bestens bekannt. Doch die Voraussetzungen für den Bezug sind komplex und werfen in der Praxis auch bei HR-Verantwortlichen immer wieder Fragen auf. Wer ist für die Prüfung des Gesuches zuständig? Und werden die Zulagen auch bei unbezahltem Urlaub gewährt? In diesem Artikel sind die wichtigsten Grundsätze aufgeführt und mit Beispielen erläutert.

Seit dem 01. Januar 2009 sind die Familienzulagen im Bundesgesetz über die Familienzulagen (FamZG) gesamtschweizerisch geregelt. Alle Arbeitgeber sind ausnahmslos verpflichtet, Mitglied einer Familienausgleichskasse (FAK) zu sein. Die Familienzulagen zählen zum steuerbaren Einkommen. Es müssen darauf jedoch keine Beiträge an die Sozialversicherungen bezahlt werden.

Zum Anspruch auf Familienzulagen berechtigen:

  • eigene Kinder, und zwar unabhängig davon, ob die Eltern verheiratet sind oder nicht oder ob es sich um adoptierte Kinder handelt
  • Stiefkinder, die überwiegend im Haushalt des Stiefelternteils wohnen
  • Pflegekinder, die unentgeltlich zur dauernden Pflege und Erziehung aufgenommen worden sind
  • Geschwister und Enkelkinder, für deren Unterhalt die bezugsberechtigte Person überwiegend aufkommt

Arbeitnehmende stellen einen Antrag bei ihren Arbeitgebenden, die diesen an die zuständige Familienausgleichskasse weiterleiten. Auch Teilzeit-Mitarbeiter sind zum Bezug einer vollen Zulage berechtigt, sofern das Jahreseinkommen mindestens CHF 6‘960.00 beträgt. Das Gesuch muss wahrheitsgetreu ausgefüllt werden. Es wird bestätigt, dass pro Kind nur eine volle Zulage bezogen werden darf, denn durch unwahre Angaben und Verschweigen von Tatsachen macht man sich strafbar.

Falls mehrere Personen für das gleiche Kind Anspruch auf Zulagen haben, gilt folgende Reihenfolge. Anspruch hat, wer:

1. erwerbstätig ist

2. die elterliche Sorge inne hat

3. überwiegend mit dem Kind zusammenlebt

4. im Wohnkanton des Kindes arbeitet

5. das höhere AHV-pflichtige Einkommen erzielt.
Hierzu ein Beispiel:

Ausgangslage:

Ehepaar, 1 Kleinkind, wohnhaft in Schaffhausen

Frau arbeitet Teilzeit im Kanton Schaffhausen, Mtl. Einkommen: CHF 1‘200.00

Mann arbeitet 100 % im Kanton Zürich, Mtl. Einkommen: CHF 5‘500.00

Obwohl der Mann das höhere Einkommen erzielt, richtet sich der Anspruch nicht an ihn.

Erklärung: Beide Personen sind erwerbstätig (Nr.1), die Eltern haben die Sorge inne (Nr.2), auch leben beide Personen mit dem Kind zusammen. (Nr. 3). Da die Frau jedoch im Wohnkanton des Kindes arbeitet und Ihr Einkommen CHF 6‘960.00 / Jahr überschreitet, richtet sich der Anspruch der Zulage an die Ehefrau. (Nr. 4)

Zieht dieselbe Familie in den Kanton Thurgau um, so ändert sich die Anspruchsberechtigung:

Beide Personen erwerbstätig (Nr. 1), die Eltern haben die Sorge inne (Nr. 2), auch leben beide Personen mit dem Kind zusammen (Nr. 3). Weder Mutter noch Vater arbeiten im Wohnkanton des Kindes. (Nr. 4) Somit richtet sich der Anspruch an diejenige Person, welche das höhere AHV-pflichtige Einkommen erzielt (Nr. 5). Der Anspruch auf Kinderzulage geht über an den Ehemann.

->  Somit wichtig zu wissen: Ein Umzug oder aber auch Änderungen der Familienverhältnisse können den Anspruch auf die Zulage beeinflussen und sind dem Arbeitgeber bzw. der Ausgleichskasse umgehend mitzuteilen.
Die Familienausgleichskasse prüft die Richtigkeit der Angaben des Arbeitnehmers:

->   Bei einem Antrag für Kinderzulage wird der Geburtsschein des Kindes geprüft.

->  Bei einem Antrag für Ausbildungszulage (ab 16 bis max. 25 Jahre) muss eine Kopie des Lehrvertrages beziehungsweise eine Ausbildungs- oder Schulbestätigung eingereicht werden. Die Ausgleichskasse überprüft, ob die Ausbildung des Kindes anerkannt wird. Es haben also auch Eltern von erwerbstätigen Studenten/Studentinnen oder Lernenden Anspruch auf die Ausbildungszulage. Das Einkommen des Kindes darf jedoch nicht höher sein als CHF 27‘840.00 pro Jahr.
Erst nach dem Erhalt der Verfügung der jeweiligen Familienausgleichskasse des Arbeitgebers, zahlt der Arbeitgeber die Zulage aus. Alle zugesprochenen Familienzulagen werden ab 1. Januar 2011 in einem zentralen Register erfasst. Primäres Ziel des Familienzulagenregisters ist die Verhinderung von Doppelbezügern.

Es gibt kantonale Unterschiede in der Höhe der Zulagen. Momentan sind die Zulagen in unserer Region wie folgt:

SH:

Alter 1-16: CHF 200.00

Alter 17-25: CHF 250.00
ZH:

Alter 1-12: CHF 200.00

Alter 13-16: CHF 250.00

Alter 17-25: CHF 250.00
TG:

Alter 1-16: CHF 200.00

Alter 17-25: CHF 250.00
Sind beide Eltern als Arbeitnehmende tätig, so bezieht der sogenannte Erstanspruchsberechtigte die Familienzulagen. Der andere Elternteil hat Anspruch auf eine Differenzzahlung, wenn er in einem anderen Kanton als der Erstanspruchsberechtigte arbeitet und die gesetzlich festgelegten Zulagen in diesem Kanton höher sind.

Militärdienst, Zivilschutz und Zivildienst während des Anstellungsverhältnisses unterbricht die Zulagenberechtigung nicht. Ab 2012 gibt es zudem eine neue Bestimmung: Während eines unbezahlten Urlaubs besteht im angebrochenen und während maximal drei weiteren Monaten Anspruch auf Familienzulagen.

Es gibt noch weitere Bestimmungen über die Kinderzulagen; die obengenannte Aufzählung ist nicht abschliessend. z.B. für Kinder im Ausland. Bei Fragen wenden Sie sich am besten an die entsprechende Familienausgleichskasse des jeweiligen Kantons.

Und zum Schluss noch eine erfreuliche Meldung für alle Selbstständigerwerbenden: Ab dem 1. Januar 2013 werden zudem auch Sie in der ganzen Schweiz Anspruch auf Familienzulagen haben. Denn heute ist der Bezug nicht in allen Kantonen möglich.

Jasmin Ott, eidg. dipl. Betriebswirtschafterin HF

 

Quellen:

http://www.bsv.admin.ch/themen/zulagen

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