Mehr Lohn, mehr Ferien, mehr Auswahl – das Cafeteria-Modell als Anreizsystem

Das Cafeteria-Modell lässt den Arbeitgebern Gestaltungsfreiheit und den Mitarbeitenden die Wahl

„Sechs Wochen Ferien für alle“ wird in der Volksinitiative, über die wir am 11. März abstimmen, gefordert. Der Bundesrat empfiehlt die Initiative abzulehnen. Denn in den Augen des Bundesrates hat sich die geltende Ferienregelung bewährt. Sie belässt den Vertrags-parteien und den Sozialpartnern den nötigen Spielraum, um sich für eine grosszügigere Ferienregelung zu entscheiden oder um Produktionsfortschritte auch in anderer Form (höherer Lohn, kürzere Arbeitszeiten oder sonstige attraktive Arbeitsbedingungen) zurück-zugeben. Die Praxis zeigt, dass Arbeitgeber ihre Gestaltungsfreiheit nutzen und um für Mitarbeitende attraktiv zu sein, diverse Lohnnebenleistungen anbieten.

Fast jedes zweite Unternehmen in der Schweiz entrichtet Fringe Benefits. Seien dies Sachwerte wie Firmenwagen, Mobiltelefon, PK-Beteiligung, Reka-Checks oder in Form von flexiblen Arbeitszeitmodellen, Ferientagen, Kinderbetreuung oder Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten* . Je grösser die Unternehmen, umso höher ist der Anteil derjenigen, die sich mittels Lohnnebenleistungen als attraktive Arbeitgeber von den Mitbewerbern abheben. Dabei stehen HR-Verantwortliche und Geschäftsführer immer wieder vor der schwierigen Aufgabe, ein Angebot zu gestalten, das jeden  Mitarbeitenden mit seinen individuellen Bedürfnissen anspricht.

Vor kurzem hat PricewaterhouseCoopers (PwC) eine neue Studie über die Bedürfnisse im Arbeitsleben der Millennials veröffentlicht. Millennials sind die zwischen 1980 – 2000 Geborenen, die bis zum Jahr 2020 die Hälfte aller Erwerbstätigen weltweit ausmachen werden. Ihre Wertvorstellungen und Erwartungen werden die nächsten Jahre stark prägen. In der Studie wurde untersucht, welchen Nutzen die Millennials in einer Arbeitsstelle sehen:

  1. Persönliche Entwicklung
  2. Flexible Arbeitszeiten
  3. Geldwerte Entlöhnung (inkl. Bonus)

Eine generelle Erhöhung der Ferientage steht zwar nicht direkt im Widerspruch zu dem was sich Mitarbeitende als Zusatzleistung vorstellen, trotzdem dürfte ein plastisches, individuell anpassbares Modell effizienter und zielgerichteter die Wertschätzung eines Unternehmens gegenüber ihren Mitarbeitern ausdrücken.   

Ein Ansatz der in der Praxis immer mehr Einzug hält, ist das Cafeteria-Modell, auch Cafeteria-System genannt. Es handelt sich dabei um eine Form eines Vergütungsmodelles im Personalwesen, das durch individuelle Wahlmöglichkeiten die Motivation erhöht. Jeder Mitarbeitende erhält gemäss Funktion, Hierarchiestufe und Leistung ein Budget für Lohnnebenleistungen gewährt. Er selbst wählt dann aus einem vorgegebenen Buffet – eben wie in einer Cafeteria -, wie er dieses Guthaben einlöst. So ist dem einen Mitarbeitenden ein Ferientag mehr wert als wenn er Reka-Checks in der Hand hält für die er keine Verwendung findet. Für einen Familienvater sind jedoch vielleicht genau die Reka-Checks die Lohnnebenleistung, die er persönlich am lukrativsten empfindet. Durch die Wahlmöglichkeit ist der Einfluss auf die Motivation grösser. Wissenschaftlich ist dieses Anreizsystem denn auch bei den Motivationstheorien den kognitive Wahltheorien zuzuordnen.

Das Cafeteria-Modell setzt sich aus den folgenden drei Grundbestandteilen zusammen:

  • Wahlangebot
  • Wahlbudget
  • Periodisch wiederkehrende Wahlmöglichkeit

Ein solches Modell kann durch die erhöhte Arbeitgeberattraktivität die Gewinnung von neuem Personal erleichtern, die bestehenden Mitarbeiter ans Unternehmen binden und somit auch einen Beitrag zur Senkung der Fluktuation leisten.

Grundsätzlich zeigen innovative Modelle jeweils am meisten Wirkung, solange sie noch nicht flächendeckend eingesetzt werden, dann kann sich der Arbeitgeber am effektivsten damit abheben und der Arbeitnehmer wird im Freundeskreis voller Stolz von seiner Firma erzählen und die volle  Bewunderung der Zuhörer ernten.

Autorin:
Conny Burgermeister, BBA

 

Quellen:

www.ejpd.admin.ch/ejpd/de/home/themen/wirtschaft/ref_gesetzgebung/ref_ferieninitiative.html

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