Newsletter November 2010 – Arbeitsformen
Neue Arbeitswelten: Individuell und Flexibel
„Die Zeit verwandelt uns nicht, sie entfaltet uns nur.“ Max Frisch
Wir alle wissen, dass internationaler Wettbewerb, Globalisierung der Märkte und die dynamischen Veränderungen in den Bereichen Wissen und Information unsere Gesellschaft und unsere Lebenssituationen beeinflussen. Sie erfordern aber auch ein grundlegend neues Verständnis der Rolle und des Selbstverständnisses der Beschäftigten im Arbeits- und Produktionsprozess. Mit steigenden Kompetenz-, Flexibilitäts- und Mobilitätsanforderungen wird vom modernen Mitarbeiter stärkere Eigenverantwortung gefordert. Mitarbeiter müssen stets und überall für neue Aufgaben zur Disposition stehen. Alle, nicht nur die hochqualifizierten Wissensarbeiter, sind aufgefordert, sich als “Ich-AG” zu verstehen. Somit entstehen neue Arbeitswelten und Beschäftigungsmodelle.
Für Unternehmen ist es lebenswichtig flexibel zu bleiben. Deshalb beschäftigen sie immer mehr kleinere Kernbelegschaften. Projektbezogen werden diese um Randbelegschaften und Spezialisten ergänzt. Die neue Flexibilität schliesst den Einsatz von Teilzeitarbeit, befristeten Arbeitsverträgen, Temporärmitarbeitern, Freelancern und generell neuen Formen der Arbeitsbeziehungen ein. Die künftige Arbeitswelt wird in einer Weise organisiert sein, in der die Grenzen zwischen abhängiger Beschäftigung und Selbstständigkeit, zwischen Arbeit und Lernen sowie Arbeit und Freizeit nicht mehr so klar sind wie bisher. Die Freizeit des einen wird die Arbeitszeit des anderen in Anspruch nehmen. Bis heute trennen wir zwischen Arbeit und Freizeit, zwischen Ausbildungszeit, Arbeitszeit, Rentenzeit. Diese Aufteilung des Lebens in verschiedene Zeitphasen korrespondiert mit der Aufteilung in verschiedene Raumkategorien: Arbeitsraum, Wohnraum, Raum für Erholung und Freizeit.
In der flexibilisierten Arbeitswelt lösen sich diese Kategorien auf und gehen neue Verbindungen ein.
Einige der bereits neu entstandenen Arbeitsformen stellen wir Ihnen nachfolgend kurz vor und gehen auf die Herausforderungen für Sie als Arbeitgeber ein.
Virtuelle Teams
Virtuelle Teams sind, anders als die Bezeichnung es vermuten lässt, „echte Teams“. Sie agieren allerdings in der “digitalen Realität”, das heisst, durch die Nutzung elektronischer Medien und Kommunikationstechnologien können die Teammitarbeiter unabhängig von Ort und Zeit agieren. In der Praxis bedeutet dies, dass in Projekten Mitarbeiter in verschiedenen Ländern, aus verschiedenen Kulturen zu den unterschiedlichsten Zeiten an einer gemeinsamen Aufgabe arbeiten.
Herausforderungen:
- Sicherstellung der Kommunikation
- klare Zielvereinbarungen und Festlegung der Verantwortlichkeiten
- motivierende Umgebung, in der Vertrauen herrscht und Kritik willkommen ist
- optimale Infrastruktur seitens der Arbeits- und Kommunikationsmittel
Job Sharing
Die Arbeitsplatzteilung oder Job Sharing ist eine Form der Teilzeit, bei der sich mehrere Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz teilen. Das häufigste Modell ist dabei die Aufteilung in 2 Halbtagsstellen. Aber auch andere Modelle, wie 2 Arbeitsplatzstellen für 3 Mitarbeiter sind möglich.
Herausforderungen:
- Kommunikation zwischen den Mitarbeitern, die sich die Stelle teilen
- „Chemie“ zwischen den Mitarbeitern muss stimmen
- Stellvertretung muss geregelt werden, da die gegenseitige Vertretungspflicht der Job Sharer nicht besteht
Top Sharer
Unter Top-Sharing wird ein partnerschaftliches Führungsmodell verstanden, eine Arbeitsplatzteilung in Kaderpositionen. Die Führungskräfte tragen beim Top-Sharing-Modell zu einem bestimmten Grad gemeinsam Verantwortung und treffen wichtige Entscheidungen gemeinsam, z.B. strategische Beschlüsse, Personalentscheide oder grössere Investitionen.
Herausforderungen:
- Mitarbeiterbeurteilung ist auf Grund subjektiver Kriterien anspruchsvoll
- „Chemie“ zwischen den Mitarbeitern muss stimmen
- Führungsstil und Menschenbild der beiden Führungspersonen sollten eine Ähnlichkeit aufweisen
Multijobber
Als Multijobber werden Mitarbeiter bezeichnet, die mehr als zwei zusätzlichen Jobs nachkommen, z.B. 50% + 30% +20% Es können sogar noch mehr sein!
Herausforderungen:
- Unfallversicherung NBU wird erst ab 8 Stunden pro Woche notwendig
- Einhaltung der 11 Stunden Ruhezeiten
- Überarbeitung der Mitarbeiter und damit eventuell Qualitätsverluste
Interim Manager / Job Hopper / Jobnomaden
Eine besondere Form der Leiharbeit stellt das Interim Management oder Management auf Zeit (MAZ) dar. Dafür werden hochqualifizierte Generalisten und Spezialisten benötigt, die als Führungskräfte tätig werden. Der Interim Manager übernimmt dabei über eine definierte Zeitspanne oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkt Managementaufgaben mit operativen Massnahmen und teilweise sogar mit Ergebnisverantwortung in einem Unternehmen. Auf Grund der ständigen Wechsel der AG werden diese auch als Job Hopper oder Jobnomaden bezeichnet!
Herausforderungen:
- interne Strukturen, Machtverhältnisse und Spielregeln müssen erst offen kommuniziert werden
- Hoher Aufwand der Einarbeitung
- Akzeptanzprobleme bei anderen Führungskräften
- Know-how Verlust bei Auftragsende
Welchen Herausforderungen in der Personalorganisation sehen Sie entgegen? Die ProPers steht Ihnen als Sparringpartner für zukunftsgerichtete Lösungsmodelle gerne zur Verfügung.


