Wie suche ich heute eine Stelle?
Immer wieder werden wir gefragt, wie man in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vorgehen soll, um eine interessante neue Stelle zu finden. Im heutigen Newsletter wollen wir nicht auf die für die Suche ebenfalls wichtigen Aspekte „Laufbahnstrategie“, „Zielsetzung“, „Bewerbungsunterlagen oder „Interview-Vorbereitung“ eingehen, sondern uns ausschliesslich dem Thema „Netzwerk-Aufbau und seine Pflege“ widmen. Denn allzu oft wird gerade dieser Bereich bei der Stellensuche stiefmütterlich behandelt oder geradezu sträflich vernachlässigt. Des Weiteren hört man manchmal leider auch die Bemerkung „da hat Vitamin B nachgeholfen“, in einem sehr anrüchigen Tonfall. Dabei ist ein gutes Beziehungsnetz das A und O für jedes Vorhaben im Leben, so auch für die Stellensuche!
Wenn jemand an seiner jetzigen Stelle unzufrieden ist oder kein berufliches Fortkommen mehr sieht, genügt es meist nicht mehr, nur den Anzeigenteil der Zeitung aufzuschlagen oder den bewährten Stellenvermittler zu kontaktieren. Offene Kommunikation nach innen wie nach aussen ist gefragt. Warum nicht seine Bedenken und Sorgen seiner Vorgesetzten oder seinem Teamleiter mitteilen? Vielleicht eröffnet sich innerhalb des Betriebes eine Möglichkeit, sich beruflich weiterzuentwickeln. Jedoch sollte man auf jeden Fall seine Karten bei Freunden und Bekannten offen auf den Tisch legen. Wie oft hat sich nicht schon bei dem einen oder anderen Gespräch ein Hinweis auf eine offene Stelle bei einer interessanten Firma ergeben? Oder wie oft konnte nicht schon über einen Freund ein wichtiger Kontakt geknüpft werden?
Erst kürzlich berichtete eine Bekannte von einer kurzen Begegnung, die zur grossen Chance wurde: Während eines grösseren berufsbedingten Projektes ergab sich ein regelmässiger Kontakt per Telefon und E-Mail mit einer firmenexternen Person, nennen wir sie „Frau Netz“. Als Monate nach Projektabschluss der Name von Frau Netz auf der Teilnehmerliste einer grossen Veranstaltung auftauchte, machte sich die Bekannte auf die Suche nach ihr, um die Gelegenheit zu nutzen, sich persönlich vorzustellen und sich für die gute Zusammenarbeit zu bedanken. Die Begegnung mit Frau Netz war freundlich und angenehm. Als nach dem kurzen Gespräch jede wieder ihrer Wege ging, stand zwar nichts Verbindliches im Raum, aber zur gemeinsamen Projektarbeit, der Telefonstimme und der E-Mail-Korrespondenz ist ein direkter Eindruck der jeweils anderen Person aus „Fleisch und Blut“ dazugekommen. Wochen später ereilte die Bekannte das Schicksal vieler – sie erhielt die Kündigung von ihrem Arbeitgeber. Konsternation und Ratlosigkeit herrschten zuerst vor. Doch schnell gewann der Drang nach Neuem Überhand. Die Bekannte begann nach und nach ihr Umfeld in ihre Stellensuche mit einzubeziehen. Geschäftliche Kontakte hatten vor den privaten Vorrang: Nach Feierabend und in der Mittagspause traf sie sich mit vielen Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld, seien dies Personen, die sie im Zusammenhang mit der aktuellen Stelle oder durch früheren Anstellungen bei anderen Arbeitgebern kennen gelernt hatte. Ein feines Netzwerk an Informationen und Hinweisen begann sich auszubreiten. Da kam der Anruf von Frau Netz gar nicht mehr so überraschend: „Ich habe gehört, dass Sie die Firma verlassen. Bei uns steckt ein spezielles Projekt noch in den Kinderschuhen. Sie könnten die geeignete Person sein, um dieses voranzutreiben. Wären Sie interessiert?“
Das Beispiel zeigt: Ein Netzwerk will aufgebaut und gepflegt werden, in guten, erfolgreichen Zeiten, ohne immer gleich den Profit oder den Nutzen des einen oder anderen Kontaktes unmittelbar zu sehen. Wer ohne Stress und Druck geübt hat Kontakte aufzubauen, kann in Krisenzeiten sicherlich routinierter auf andere zugehen, als derjenige, der in der Not steckt und dies erst lernen muss. Wer sein Netzwerk in guten Zeiten pflegt, kann bei Schicksalsschlägen auf einen grossen, hilfreichen Schatz an Kontakten und Beziehungen zugreifen. Deshalb möchten wir Sie motivieren, schon heute offen und neugierig auf andere zuzugehen. Wer weiss, welche Türen sich für Sie in Zukunft damit öffnen.
Zum modernen „Netzwerkeln“ gehört heute selbstverständlich auch das Internet. Welche Möglichkeiten, welchen Nutzen, welche Gefahren diese Technologie im Zusammenhang mit der Stellensuche in sich birgt, werden wir Ihnen im Verlaufe dieses Jahres in weiteren Newslettern erläutern. Bis dahin wünschen wir Ihnen viel Freude an interessanten Begegnungen und an der Pflege von guten Bekanntschaften.


