Konflikte – Was können Betroffene persönlich tun?

Konflikte sind unvermeidlich. Meinungsverschiedenheiten, Spannungen und kleinere Konflikte gehören im Arbeitsleben grundsätzlich dazu. Hier begegnen sich die Menschen nämlich unter besonderen Bedingungen. Die Zusammensetzung der Menschen in einem Unternehmen erfolgt nämlich, nicht wie im Privaten, aufgrund von Sympathien oder gemeinsamen Interessen, sondern aufgrund von Funktionen, Berufserfahrungen und Ausbildungen. In aller Regel gelingt es den Beteiligten die Differenzen ohne fremde Hilfe beizulegen. Die Vorstellung, Spannungen vollständig vermeiden zu wollen, ist unrealistisch. Ist dies die persönliche Vorstellung, so sind Frustrationen vorprogrammiert.

Was können Sie jedoch tun, wenn Sie tatsächlich einmal von einem Konflikt betroffen sind und nicht richtig weiter wissen?

Das gelegentliche Aufeinanderprallen von Meinungen ist an sich noch kein Konflikt. Eine sachliche Diskussion unter Berücksichtigung verschiedener Standpunkte, wirkt sich in der Regel sogar förderlich auf eine Lösung oder Strategie aus. Geht es bei einer Diskussion nicht mehr um das Erreichen eines gemeinsamen Zieles, sondern nur noch darum, den Gesprächspartner „zu besiegen“, ist der erste Schritt in eine Konflikteskalation getan. Die Sache verliert an Bedeutung und die Angriffe werden persönlich. Aus einer Win-Win-Haltung ist eine Win-Lose-Haltung entstanden. Es wird Druck auf die Gegenpartei ausgeübt, es folgen Taten statt Worte; Die Kommunikation wird abgebrochen. Betroffene fühlen sich ausgeschlossen und isoliert. Spätestens ab diesem Zeitpunkt entsteht einem Unternehmen Schaden, aufgrund reduzierter Motivation einzelner Mitarbeiter. Demotivation und das Gefühl einer Situation hilflos ausgeliefert zu sein, kann zu Resignation oder zu Kündigungen führen. Kann der Konflikt auf dieser Stufe nicht aufgefangen werden, werden die Einbussen immer grösser. Die Konfliktparteien suchen sich Koalitionspartner und Sympathisanten, es geht darum Recht zu haben und nicht mehr um die Sache ansich. Diese Reibereien kosten Zeit. Mitarbeiter werden von ihren Aufgaben abgelenkt, Ängste und negative Emotionen verhindern die Zielerreichung.

Sind Sie direkt betroffen, bleiben die guten Ratschläge selten aus:

„Sprich doch einfach mal mit deinem Vorgesetzten darüber.“

Oder:

„Sage der Person doch einfach mal gründlich deine Meinung.“

Beide Vorschläge, so gut sie auch gemeint sind, weisen auf eine Grundhaltung hin, die nicht immer fruchtbar ist. Sie deuten an, dass die Lösung von aussen kommen muss, nämlich von den anderen. „Der andere soll primär sein Verhalten ändern, dass es mir wieder gut geht.“ In dem Moment, wo wir die Lösung unserer Probleme an andere delegieren, liefern wir uns dem Umfeld aus. Wir signalisieren, dass wir hilflos sind. Wir geben die Zügel aus der Hand. Tut der andere im Nachhinein nicht, was wir uns vorgestellt hatten, geht es uns schlechter als zuvor.

Ein fruchtbarer Weg ist es, sich zu fragen wie gross der eigene Spielraum und die eigene Motivation sind, um die Situation zu entschärfen. Sind die eigenen Erwartungen realistisch? Oft entstehen Konflikte aus dem Gefühl fehlender Wertschätzung. Ist da nicht die Umkehrfrage erlaub;: „Wie viel dieser Wertschätzung, die ich gerne hätte, gebe ich den anderen? Wie oft fördere und unterstütze ich die Projekte der Kollegen, in der Form wie ich es gerne hätte?“ Eine Korrektur der Erwartungen im zwischenmenschlichen Bereich auf ein realistisches Niveau, hat auf jeden Fall einen Einfluss auf die präventiven Aspekte eines Konfliktes.

Inwiefern Sie in einer bereits eskalierten Konfliktsituation die Möglichkeit haben, die Situation zu entschärfen ist sehr unterschiedlich. In der Regel lässt sich selbst als Einzelperson mehr bewirken, als man überhaupt für möglich hält. Je früher Spannungen angesprochen und auf den Tisch gebracht werden, umso einfacher ist es Gegensteuer zu geben. Wenn man mitten in einem Konflikt steckt, fällt es manchmal schwer, die Selbstsicherheit zu bewahren und daran zu glauben, dass man die Situation selbst lösen kann. In der Regel ist es noch lange möglich, wenn gewisse Kommunikationsregeln beachtet werden. Am Besten ist es die Sache mit jemandem vorzubereiten, der Erfahrung in der Entschärfung solcher Situationen hat. Dies kann ein Freund, ein Arbeitskollege oder manchmal auch ein Vorgesetzter sein. Nicht immer gibt es jemanden im Umfeld, der diese Erfahrung vorweist. Dann ist es sinnvoll auf professionelle Unterstützung zurück zu greifen. Das Gefühl des Stolzes eine derartige Herausforderung aus eigener Kraft und mit eigenen Ressourcen gelöst zu haben, ist enorm motivierend und schenkt eine Menge Selbstvertrauen. Ein Versuch in dieser Hinsicht lohnt sich auf jeden Fall.

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